Das wahre Amerika ist ganz anders


RTL-Korrespondent Dominik Maur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten: zwischen Extremen und Naturgewalten

Dominik Maur sagt: „Amerika ist anders. Anders, als wir Europäer es zur Zeit erleben.“ Seit 2016 berichtet der A­merika-­Korrespondent live und vor Ort für die großen Sender RTL, Vox und n-tv. Und kommt dabei in Gegenden, die nicht im touristischen Angebot der Airlines auf Platz 1 stehen. „So lerne ich das wahre Amerika kennen“, sagt Maur. Und das ist für ihn nicht das multikulturell geprägte New York oder Los Angeles, sondern Orte wie Boise oder Louisville.

„Die Menschen dort sind sehr offen und haben wenig Berührungsängste. Und sie sind gut vor der Kamera, haben immer einen flotten Spruch auf den Lippen“, erzählt der 35-Jährige, der seine Liebe zum „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ vor sechs Jahren während seiner Hospitanz beim ARD-Studio in Washington entdeckt hatte.

Zuletzt war er in Boise, der Hauptstadt von Idaho. „Kein typischer Touristenort“, so Maur, „aber sehenswert mit seinen historischen Bauwerken und dem Rock Climbing Center, das unter Felskletterern als eines der besten im Westen der USA gilt.“ Ihn allerdings hatte nicht die Schönheit des Ortes dorthin geführt, sondern der freie Fall des bekannten und nun wegen sexueller Belästigung angeklagten US-Schauspielers Kevin Spacey. Dessen Bruder war bereit, sich vor laufender Kamera zu äußern. In Boise eben.

Jugendträume

Dominik Maur ist ein Kind der Region, aufgewachsen im beschaulichen Brohltal. Zu Hause spricht er breites Eifler Platt. Fürs Fernsehen musste er sich das allerdings durch professionelles Sprechtraining mühsam abgewöhnen. Schon als Jugendlicher baut er sich zu Hause ein eigenes Fernsehstudio auf, installiert Kameras und Nebelmaschine und schafft es in die regionale Tageszeitung. Seine Eltern halten es für eine vorübergehende pubertäre Erscheinung. Sie werden eines Besseren belehrt. Noch erfüllen sie ihm seine Wünsche, fahren mit ihm zu den großen Fernseh-Shows nach Holland. Die 100 000-Mark-Show ist sein Vorbild. „Es war die Zeit, als die Familie noch gemeinsam Samstag abends vor dem Fernseher gesessen hat“, erinnert sich Maur. Doch von diesem Format ist er heute weit entfernt. Seine Hauptredaktion ist das RTL-Starmagazin „Exclusiv“, wo er Moderatorin Frauke Ludewig mit den aktuellsten Promi-News versorgt. Wer in Amerika über den roten Teppich schreitet, geht in der Regel auch nicht unbeobachtet an Dominik Maur vorbei. Die Bandbreite seiner bunten Geschichten ist groß, von der neuesten Victoria’s Secret-Kollektion bis hin zu privaten Outcomings der Stars. Er ist aber auch dabei, wenn Hurrikan Florence über North und South Carolina tobt oder schwere Brände den Promiort Malibu dem Erdboden gleichmachen. Oder wenn arktische Temperaturen Amerika nahezu einfrieren.

Mit 12 hatte er bereits sein eigenes Studio.
Foto: privat

Facettenreiches Amerika

Tatsächlich zeigt sich Amerika von allen geografischen Seiten und in allen menschlichen Facetten. Die spektakulärsten fängt Maur ein. Doch es sind nicht immer auch die schönsten Bilder. Katastrophen gehören zum Reporter-Alltag. Und da gerät er manches Mal auch ohne Vorwarnung hinein.

Amokläufe und Naturgewalten

2017 ereignet sich bei einem Open-Air-Musikfestival in Las Vegas der schlimmste Terrorakt in der Geschichte Amerikas seit September 2011. Ein Amokläufer schießt aus einem Hotel in die Menge und tötet 58 Menschen, mehr als 500 werden verletzt. Dominik Maur kommt gerade vom Dreh über die vorzeitige Haftentlassung des früheren US-Footballstars O.J. Simpson. Die ersten Schüsse fallen in unmittelbarer Nähe seines Hotels. Menschen schreien, Panik bricht aus, überall ist Blut. Dominik Maur ist ungewollt in ein Szenario geraten, über das er auch noch berichten muss. Früher als die Deutsche Presseagentur (dpa) wissen seine Kollegen in Köln Bescheid. Für n-tv berichtet Maur in einem 4-Stunden–Marathon live aus der Todeszone, anschließend fürs Magazin „Punkt 12“. Abends werden die aktuellen Nachrichten bedient. Normalerweise kann der RTL-Reporter gut zwischen Beruf und Privatleben switchen, aber das hier lässt ihn auch Tage später nicht kalt. Es sind Szenen, die er bis heute nicht vergessen, schon gar nicht verdrängt hat.

Es bleibt nicht der einzige Amoklauf, über den Maur berichtet. Als im November 2017 im US-Staat Texas 26 Menschen in einer Kirche in Sutherland Springs getötet und weitere 20 verletzt werden, ist er live vor Ort und erlebt den schlimmsten Schusswaffenangriff in der texanischen Geschichte. Ein halbes Jahr später, im April 2018, steht er an der von Trümmern und Blutspuren gesäumten Todesstrecke in einem Geschäftsviertel von Toronto. Der Fahrer eines Lieferwagens hat seinen gemieteten Transporter in eine Waffe verwandelt und zehn Menschen getötet, weitere 15 bei der Zickzackfahrt über Gehwege verletzt.

Ob schwere Waldbrände im Promiort Malibu oder arktische Temperaturen in Chicago – der RTL-Reporter ist immer vor Ort, um über das zu berichten, was die Menschen bewegt.
© RTL Television

Hurrikan Florence & die Waldbrände von Malibu

„Man darf nicht zimperlich sein. Und man muss schon einiges wegstecken können“, erzählt Maur und denkt an Hurrikan Florence, der sich im vergangenen Herbst zum tropischen Sturm der Stärke 4 entwickelt hatte. Während rund 1,7 Millionen Bewohnerinnen und Bewohner der Bundesstaaten North Carolina, South Carolina und Virginia evakuiert werden und die Behörden vor lebensgefährlichen meterhohen Überschwemmungen und Sturzfluten warnen, steht der RTL-Reporter bis zum Bauchnabel im Wasser und berichtet live und vor Ort.

Und als bei den schweren Waldbränden in Malibu das Katastrophengebiet ausgerufen wird, dürfen nur noch Rettungskräfte und Journalisten rein. Unter ihnen Dominik Maur. Mit Til Schweigers Tochter Emma und deren Mutter Dana sucht er die Stelle auf, wo zuvor ihr Haus gestanden hat, geht auch zu den Überresten der Promi-Nachbarhäuser von Thomas Gottschalk und Miley Cyrus. „Sie haben Glück gehabt“, meint er. Denn Dutzende Menschen seien bei den Waldbränden in Kalifornien gestorben. Thea Gottschalk konnte sich noch aus der Villa retten. „Die schrecklichen Bilder bleiben im Gedächtnis“, sagt Maur, „aber auch die unglaubliche Hilfsbereitschaft der amerikanischen Bevölkerung, die in Notzeiten wie selbstverständlich Lebensmittel und Kleidung zur Verfügung stellt. Selbst fürs Blutspenden haben Menschen Schlange gestanden.“

Amerika ist für Maur zur zweiten Heimat geworden. Seit fast drei Jahren lebt er mitten in New York, die mit rund 8,5 Millionen Einwohner bevölkerungsreichste Stadt der Vereinigten Staaten und eine der größten Städte der Welt. „New York hat alles - Action, Kultur und gutes, gesundes Essen“, schwärmt der Amerikaner auf Zeit, der gerne aber auch einen Abstecher nach Deutschland macht. Denn hier hat er noch eine Rechnung offen: Es ist der Flugschein für Ultraleichtflugzeuge. „Den will ich unbedingt noch abschließen“, hat er sich fest vorgenommen. Doch dafür muss er wieder in Deutschland leben. Bis dahin widmet er sich seiner zweiten großen Leidenschaft: der Fotografie. Vor zehn Jahren hat er aus einer Laune heraus damit begonnen; jetzt hat er eine eigene Webseite erstellt. Mit Momentaufnahmen aus Begegnungen mit Musikern, Schauspielern und Künstlern, aber auch professionell inszenierten Szenen bekannter Models.
www.dominikmaur.com

Für die Berichterstattung über den Hurrikan
Florence stellt sich Maur auch mal mit den Schuhen ins Wasser. © RTL Television

Text: Edith Billigmann | Fotos / Copyright: Screenshots: RTL Television | Fotos: Dominik Maur; f11photo - stock.adobe.com